Ried und Sand - Biotopverbund und Restitution durch extensive Landbewirtschaftung
Bezug zur Nationalen Biodiversitätsstrategie
Den Rückgang gefährdeter Lebensraumtypen aufzuhalten und die Lebensräume mit ihren Lebensgemeinschaften in ein funktionsfähiges ökologisches Netzwerk einzubinden ist ein wichtiges Ziel der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt. Hierzu werden als konkrete Handlungsziele die „Regeneration und Neuentwicklung gefährdeter Biotoptypen und Biotopkomplexe“ und die „Verwirklichung eines funktional orientierten Biotopverbundes auf mindestens 10 % der Landfläche auf allen Maßstabsebenen …“ formuliert.
Das Projekt
Im Projekt „Ried und Sand“ sollen für den Naturschutz wertvolle Ried- und Sandlebensräume im Landkreis Darmstadt-Dieburg durch die Entwicklung neuartiger Beweidungskonzepte nachhaltig gesichert und gepflegt werden. Unter dem Stichwort „doppelte Vernetzung“ gilt es, Lebensräume durch Wiederherstellung (Restitution/Renaturierung) und/oder Beweidung zu vernetzen sowie Naturschutz, landwirtschaftliche Nutzung und ökonomische Aspekte in Einklang zu bringen.
Ausgangssituation
Die ehemals artenreichen Feucht- und Nasswiesen des Hessischen Rieds litten in der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark unter Grundwasserabsenkungen. Mit dem Anstieg des Grundwasserspiegels um das Jahr 2000 kehrten viele bedeutende Tierarten zurück, floristisch blieb das Ried jedoch relativ artenarm.
Die auf die letzte Eiszeit zurückgehenden kalkreichen Sande des Oberrheingrabens zeichnen sich durch eine hohe Artenvielfalt und große Bedeutung als FFH-Gebiete aus. U.a. durch Fragmentierung und Nährstoffeinträge sind diese Gebiete stark bedroht. Bereits seit dem Jahr 2000 werden die Dünenrelikte durch Beweidung gepflegt. Ihre Kleinflächigkeit und Isolation erfordert jedoch eine Vernetzung. In vorangehenden Untersuchungen zeigte sich, dass die typischen Sandflächen durch eine extensive Schafbeweidung zwar gut gepflegt werden, die Tierernährung jedoch ganzjährig nicht ausreichend sichergestellt ist.
Projektziele

Biotopvernetzung durch Wanderschafhaltung
Die fragmentierten Habitate in den Ried- und Sandgebieten sollen durch die Restitution erweitert und vernetzt werden. Auch die „geborgte Beweglichkeit“ der Schafherde soll durch Transfer im Fell und Magen-Darm-Trakt zum Individuenaustausch zwischen den Flächen führen.
Zugleich besteht das Ziel, durch ein geschicktes Weidemanagement neben der Landschaftspflege auch die Tierernährung zu optimieren sowie außerdem Naturschutz und allgemein wirtschaftliche Aspekte in Einklang zu bringen, so dass sich das Projekt auch nach Ende des Förderungszeitraums wirtschaftlich selbst trägt.
Projektablauf

Neuschaffung einer Binnendüne
Das Projekt startete im Jahr 2004 und befindet sich nun in der Auswertungs- und Endphase. Die ersten Jahre waren besonders durch Flächenzuwächse und Renaturierungsmaßnahmen geprägt sowie von einer Optimierung des Weideregimes.

Restitution durch Mahd- bzw. Rechgut im Ried
Wichtigste bisherige Ergebnisse
Eine Wiederherstellung und Vernetzung der Ried- und Sandstandorte durch abiotische Restitutionsmaßnahmen (Verwendung von nährstoffarmen Tiefensand) mit nachfolgender Beimpfung mit Rech-/Mahdgut von Leitbildflächen und Beweidung hat sich als gutes Mittel zur nachhaltigen Sicherung der bedrohten Habitate erwiesen. Aus Sicht der Tierernährung sind ruderalisierte Sandflächen und grasreiche Riedflächen zur Verbesserung der Ernährung der Schafe geeignet.
Ausblick
Durch die partnerschaftliche Beteiligung aller im Projektgebiet liegenden Kommunen sowie der ansässigen Naturschutzverbände ist eine hohe Akzeptanz und Identifikation mit dem Projekt erreicht worden, die eine Weiterbetreuung der umgesetzten Wiederherstellungs- und Pflegemaßnahmen verspricht. Es stehen nun größere und besser vernetzte, zumeist naturschutzfachlich wertvolle Gebiete zur Verfügung, in denen auch durch die Netzwerkstruktur die Tierernährung gesichert ist.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse zur Renaturierung, Beweidung, Entwicklung der Flora und Fauna, Tierernährung und Sozioökonomie werden im Jahr 2011 in einer Abschlusspublikation zusammengestellt und veröffentlicht.
weiterführender Link
Laufzeit
- 06/2004 - 04/2010 (Hauptvorhaben)
- 06/2004 – 03/2011 (Wissenschaftliche Begleitung)
Förderprogramm
Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben
Projektträger
- Hauptvorhaben: Landkreis Darmstadt-Dieburg – Untere Naturschutzbehörde
- Wissenschaftliche Begleitung: Technische Universität Darmstadt – Institut für Botanik
Beteiligte Partner
- Landschaftspflegehof Stürz,
- Regierungspräsidium Darmstadt, Alsbach-Hähnlein, Bickenbach, Darmstadt, Griesheim, Pfungstadt, Seeheim-Jugenheim, Weiterstadt,
- NABU,
- Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON),
- Wasserverband Modaugebiet,
- HLG – Ökoagentur für Hessen
Fachbetreuung
FG II 2.1 (Biotopschutz und Biotopmanagement), Dr. Peter Finck









