Wandern

© Michael Pütsch
Quelle: Natursportinfo, Text: Katrin Staben
Die Geschichte des Wanderns ist eng mit der Geschichte des Menschen verknüpft, da es sich hierbei um die natürlichste Art der Fortbewegung handelt. Aus diesem Grund ist es auch so gut wie jedem möglich diese Sportart auszuüben, ohne dass viele Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Daher gehört Wandern auch zu den am weitesten verbreiteten Sportarten überhaupt. Der besondere Reiz des Sports liegt in der direkten Erfahrung der Natur während der Wanderung. Mit der Zeit haben sich verschiedene Varianten der Sportart entwickelt, die zum einen neues Gelände erschlossen haben (Schneeschuhwandern) oder den Trainingseffekt in den Vordergrund stellten (Nordic Walking).
Der Begriff Wandern bezeichnet im eigentlichen Sinne das "zu- Fuß-Gehen in der Landschaft über größere Strecken (zum Spaß/Sport)". Das Wandern ist eine sportliche Disziplin ohne Wettkampfcharakter, bei der einzelne Personen oder Gruppen Wegstrecken zwischen 5 und 50 km pro Tag zurücklegen. Bei den Wanderformen lassen sich je nach Dauer Tageswanderungen von Mehrtagestouren unterscheiden. Letztere können vom selben Standort aus in Angriff genommen oder aber mit täglich wechselndem Quartier durchgeführt werden (hier sind unter bestimmten Umständen die Grenzen zum Trekking, siehe unten, fließend). Von "Wandern" spricht man auch in anderen Zusammenhängen: Radwandern mit dem Fahrrad, Wasserwandern mit dem Kanu und Skiwandern mit Touren-/ Langlaufski oder Schneeschuhen weisen ähnliche Merkmale wie das Wandern zu Fuß auf und stellen das Naturerleben nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel" in den Vordergrund.
Voraussetzungen

© Thorsten Wiehle
Wandern kann weitestgehend altersunabhängig, ohne langwierige Lernprozesse nahezu überall ausgeübt werden und unterliegt keinen grundsätzlichen zeit- und wetterabhängigen Voraussetzungen. Liegt die Wanderstrecke in moderatem Gelände, so halten sich die Kosten im Gegensatz zu anderen material- und vorbereitungsintensiven Sportarten recht gering. Je nach Streckenprofil ist jedoch bei anspruchsvollerem Gelände eine bestimmte Ausrüstung von Vorteil. Spätestens bei langen Wanderrouten im gebirgigen Gelände sind spezielle Wanderschuhe, Wanderstöcke und - falls Gepäck transportiert wird - auch Wanderrucksäcke nötig.
Im Hinblick auf die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade verschiedener Wanderstrecken muss das Anforderungsprofil eines Wanderers differenziert betrachtet werden. Gibt es im flachen oder ebenen Gelände nur geringe Einschränkung für die Sportausübung, sind die Ansprüche an Kondition und Wandertechnik in steilem Gelände ungleich höher. Zudem ist in gefährlichem Gelände (Gletscher etc.) eine entsprechende Ausbildung oder die Betreuung durch einen Bergführer anzuraten. Weiterhin ist das Betretensrecht, welches in unterschiedlichen Gesetzen geregelt wird, zu beachten. Eine dementsprechend gründliche Tourenplanung schützt vor unliebsamen Überraschungen (Schwierigkeit der Tour, Länge, Routenverlauf, Wetterentwicklung, etc.).
Reiz und Einfluss der Natur auf den Sportler

© Barbara Engels
Für den Großteil der Wanderer stehen traditionelle Anreize wie Naturgenuss und Wohlbefinden im Vordergrund. Besonders beliebt sind offene Waldgebiete, die Nähe von Gewässern, Gebirgsstrukturen und variierende Vegetation. Die Wanderer bevorzugen meist möglichst naturbelassene Wege, während asphaltierte Strecken als unangenehm empfunden werden. Der Wanderer erwartet weiterhin ein gut organisiertes Wanderleitsystem im Gelände, welches ihm als direkte Orientierungshilfe bei der Wanderung dient. Hier bietet sich ein System von Wanderwegen an, dass zwischen den Bedürfnissen des Wanderers und denen des Naturschutzes vermittelt. Diesem abgestimmten System kommt eine Lenkungsfunktion in Hinblick auf Besucherströme zu, die besonders für ökologisch sensible Räume relevant ist.
Auswirkungen
Wandern und Wanderbetrieb kann einen stärkeren Einfluss auf Natur und Landschaft haben, als gemeinhin angenommen wird. Ökologische Auswirkungen ergeben sich vor allem durch die wanderbedingte Mobilität, die aufgrund der überdurchschnittlichen Anfahrtswege und vielen Fahrten einen erheblichen Teil der Sportmobilität ausmacht.
Wanderer können Tiere beidseits eines Weges stören. Vögel verziehen sich, meiden wegnahe Bereiche oder sind beunruhigt. Die beeinflusste Fläche ist vergleichsweise klein, wenn sich die Wanderer an die Wege halten. Zudem kann der Bau von Wanderwegen bei falscher Terrassierung oder schlechter Standortwahl ökologisch bedenklich sein.
Insgesamt haben Wanderwege aber auch eine wichtige Funktion als Besucherlenksystem, durch das die Wanderer weniger in ökologisch sensible Bereiche, sondern eher in die belastbareren Gebiete gelenkt werden. Durch die Zusammenarbeit zwischen Wanderverbänden und Naturschützern konnten solche Lenksysteme schon realisiert werden.
Belastungen des Naturraumes können aber trotzdem auftreten, z.B. durch die mangelhafte Entsorgung der Abfälle und Abwässer von Berghütten oder Berggasthäusern, wodurch es zu Verunreinigungen des Grund- und Oberflächenwassers kommen kann. Störungen der Natur können ebenfalls durch verbotenes Verhalten, wie das Mitführen von Hunden ohne Leine, das Pflücken geschützter Pflanzen, wildes Parken oder das Zurücklassen von Müll in der Landschaft sowie durch unerlaubtes Verlassen der Wege hervorgerufen werden. Letzteres gilt allerdings nur für geschützte Gebiete mit Wegegebot, denn nicht jeder Bereich ist derart empfindlich und häufig stellt ein Verlassen des Weges keine nennenswerte ökologische Belastung dar.
Totalverbote des Betretens naturnaher Bereiche sind nur dort ökologisch notwendig, wo sich bedrohte Arten aufhalten (z.B. Auerhuhn, Birkhuhn, Adler, Wanderfalke, Uhu, Biber), die dadurch geschützt werden können oder wo sich empfindliche Vegetationskomplexe wie z.B. Moore befinden.
Bei einer hohen Frequentierung von sogenannten "Alternativwegen", die meist durch Abkürzungen des ursprünglichen Serpentinenweges entstanden sind, kann die Natur dauerhaft geschädigt werden. Hier können sich durch Erosion tiefe Rinnen bilden, die der Sanierung bedürfen, um einer weiteren Bodenabspülung entgegenzuwirken. Weitere Beispiele für ähnliche Auswirkungen finden sich unter Laufen und Fahrradfahren.

